Warum gibt es Kriege?

Sowohl Muslime als auch Nichtmuslime haben sich sicherlich schon einmal gefragt, warum es eigentlich Kriege gibt. Im Folgenden werdet ihr eine Antwort darauf erhalten.

Die Allmächtigkeit Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er)

Erst einmal sei gesagt: Wir glauben ja, dass Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) allmächtig ist, und dass Er die guten Taten von den Menschen möchte und die Sünden verabscheut. Und wir wissen, dass Er die Menschen vielleicht sogar bestraft aufgrund ihrer Sünden, die sie begangen haben. Wie kann es sein, dass Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) zu Allem imstande ist und es auf dieser Welt trotztem Sünden gibt? Und dass es auf dieser Welt trotztem Kriege gibt? Und dass es Krankheiten gibt, unter denen die Menschen leiden?

Hierzu müssen wir erst einmal feststellen, dass Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) tatsächlich allmächtig ist. Und Er sagte auch ganz klar im edlen Koran bezüglich der Kriege, die Muslime mit anderen Völkern gehabt haben, dass wenn Er wollte, Er die Muslime immer zum Sieg verleitet. Die Frage ist also nicht, ob Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) dazu imstande ist, Krieg zu vermeiden, Krankheiten zu unterbinden usw. – diese Frage stellt sich gar nicht. Sondern wir wissen, dass Allah all diese Sachen erschaffen hat, und wir glauben gleichzeitig, dass Allah der Allweise ist, Al-Hakeem.

Alles hat seine Weisheit

Wenn Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) also etwas erschafft, was dem Äußerlichen Anschein nach schlecht ist, dann muss es nicht wirklich schlecht sein. Ein Beispiel dafür wären die Krankheiten, die uns im Laufe des Lebens heimsuchen. Natürlich stört sich der Mensch an einer Krankheit, und er wird dadurch gequält, er leidet darunter. Aber unser Prophet Muhammad ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) sagte in einem wichtigen Hadith sinngemäß: “Der Gläubige wird so lange auf die Probe gestellt, bis er Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) antrifft, während auf ihm keine einzige Sünde mehr lastet.”

Wir sehen also: Ja, die Krankheiten gibt es. Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) hat sie erschaffen, aber zu einem guten Zweck. Anstatt Er am Tag der Auferstehung dich für deine begangenen Sünden zur Rechenschaft zieht und du bestraft wirst, gibt Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) dir ein kleines Leiden in diesem Leben, was unvergleichbar ist mit dem Leiden am Tag der Auferstehung. Dies, damit du von deinen Sünden gereinigt wirst.

Wie kann es sein, dass Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) die Sünden nicht mag, aber trotztem gibt es sie? Denn Er müsste doch nur sagen, “Sei!” und dann wäre es auch so? Er bräuchte doch nur sagen, die Sünden bzw. schlechten Taten seien weg und Kriege seien beendet, und dann wäre es auch so?

Der universelle Wille Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er)

Wir müssen bezüglich des Willens Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) eine Unterscheidung machen. Die Gelehrten sagen, der Wille Allahs lässt sich in zwei Kategorien unterteilen. Die erste Kategorie ist der sogenannte “universelle Wille”. Das ist also der Wille, der absolut umgesetzt wird. Wenn Allah also etwas will, dann sagt er zu dieser Sache “Sei!” und das ist sie. Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) hat bestimmt, dass es gute Menschen gibt, dass es schlechte Menschen gibt, dass es Engel gibt und dass es Satane gibt. Er hat bestimmt, dass der Prophet Muhammad ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) zu den Menschen entsandt wird, aber hat auch seinen Tod bestimmt, der für die Muslime die größte Katastrophe war, die es je gegeben hat.

Insofern wollte Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) dies, und aufgrund von Weisheiten auch das Andere. Das ist der Wille Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er), der sogenannte universelle Wille, wie wir bereits gelernt haben. Das heißt, wenn Er etwas will, dann geschieht es genau so, wie Er es wollte.

Der gesetzliche Wille Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er)

Dann gibt es aber noch einen anderen Teil Seines Willens subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er). Uns war geht es jetzt nicht mehr darum, was Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) machen will, sondern darum, was Er subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) von den Menschen haben möchte. Und diesen Teil bezeichnen wir als den “gesetzlichen Willen”. Und dieser wird entweder umgesetzt, oder er wird nicht umgesetzt. Warum? Weil Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) von den Menschen verlangt, bestimmte Dinge zu tun, wie z.B. das Beten, das Fasten usw., und Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) verbietet den Menschen manche andere Dinge, wie z.B. die Vielgötterei, das Trinken von Alkohol, Unzucht usw… Und es kann sein, dass sich die Menschen an diese Anordnungen halten, es muss aber nicht sein.

Insofern müssen wir unterscheiden: Geht es im Koran um den Willen von Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) um den Willen, den Er umsetzen will, oder den, den Er subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) von den Menschen umgesetzt haben möchte? Im ersteren Fall wird dieser Wille auf jeden Fall umgesetzt, und im zweiten Fall hat Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) den Menschen die Entscheidungsfreiheit gegeben, ob sie es machen oder ob sie es nicht machen. Und genau deshalb können die Menschen am Tag der Auferstehung zur Rechenschaft gezogen werden. Denn wenn wir automatisch immer das umsetzen würden, was Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) von uns verlangt hat, warum sollten wir dann für unsere guten Taten belohnt bzw. für unsere schlechten Taten bestraft werden? Dann könnten wir ja als Mensch sagen, Allah hat uns das so angeordnet, deswegen konnte ich ja gar nicht anders als zu beten, oder z.B. zu sündigen. Nein, Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) hat von dir verlangt, das Gute zu tun und das Schlechte zu unterlassen. Und du bist derjenige, der diesem Aufruf gefolgt ist, oder eben nicht.

Abschrift aus einem Video von Neil Bin Radhan