Erziehung der Kinder

Vielen von uns wurde von Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) eine große Verantwortung auferlegt. Es geht um die Verantwortung gegenüber der Folgegeneration, besonders hinsichtlich der eigenen Kinder.

Ein Hadith des Propheten ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm)

So existiert eine Überlieferung, dass ein Mann Maqal ibn Yasar raḍyAllāhu 'anhu (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) besuchte. Maqal ibn Yasar raḍyAllāhu 'anhu (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) war einer der Gefährten des Propheten ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) und aufgrund einer Krankheit lag er gerade im Sterben. Dieser Sahabi raḍyAllāhu 'anhu (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) sagte zu dem Besucher: “Ich möchte dir einen Hadith erzählen, den ich vom Gesandten Allahs ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) gehört habe.” Und ihr wisst, dass jemand, der gerade im Sterben liegt, jemand, der gerade davon ausgeht, dass er jeden Augenblick seinem eigenen Schöpfer gegenüber stehen wird; er wird nichts als die Wahrheit sprechen. Desweiteren will derjenige nicht nur Gutes für dich, sondern er will für dich das Beste! Er möchte sich von seinem Leben verabschieden mit einer Nasiha (Ratschlag), dessen Belohnung er mit in sein Grab nehmen darf.

So erzählte er ihm schließlich den Hadith vom Propheten ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm): “Jeder Diener, der stirbt, während Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) ihm etwas anvertraut hat, aber dieses Vertrauen missbraucht, der wird am Tag der Auferstehung nicht in das Paradies eintreten dürfen.” Das bedeutet also, jeder Mensch, dem Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) Menschen anvertraut hat, und dazu gehört natürlich in erster Linie die Familie, also deine Ehefrau, deine Kinder usw., aber am Tag seines Todes betrügt er sie, in dem er seiner Verantwortung ihnen gegenüber nicht gerecht wurde, dem hat Allah das Paradies verboten. Möge Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) uns davor bewahren.

Achte auf deine Kinder!

Was gibt es gewaltigeres, als dass man der Grund dafür ist, dass die eigenen Kinder ins Verderben gestürzt werden, vom rechten Weg abkommen und nicht rechtgläubig sind? Liebe Geschwister, wir machen uns nichts vor. In der Realität ist es so, dass wir unseren Glauben leben und auch in unserem Glauben sterben möchten. Und wir möchten, dass auch unsere Kinder diesen Glauben weiterführen und danach leben, so dass wir uns im Paradies treffen dürfen. Aber gleichzeitig händigen wir diese Kinder drei, vier, fünf Stunden mehr oder weniger Menschen aus, die unseren Glauben nicht haben. An Menschen, die vielleicht sogar etwas gegen unseren Glauben haben! Insofern müssen wir wachsam sein und dürfen diese Angelegenheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Natürlich kann man das jetzt schönreden, kleinreden und sagen, das wäre übertrieben. Doch wisse, lieber Bruder und liebe Schwester, dass es Dinge gibt, die in den Schulbüchern verankert sind, die unserem Glauben ganz klar widersprechen.

Wie geht man nun damit um?

Während die Moschee immer wieder versucht, den Charakter deines Kindes aufzubauen und zu “reparieren” wenn man das so sagen darf (und das vielleicht nur ein mal pro Woche), wird gleichzeitig einiges von der Persönlichkeit deines Kindes im Laufe der Woche zerstört. Wie ihr wisst, braucht man zum Aufbauen Jahre und zum Zerstören einen einzigen Augenblick. Das Mindeste, was man tun kann, gerade in solchen Ländern wie hier in Deutschland, ist, dass man mit diesen Kindern genau so viel Zeit verbringt, wie sie es mit Nichtmuslimen tun. Wenn du darauf achten möchtest, dass dein Kind eine muslimische Persönlichkeit entwickelt und sich auch bewusst ist, dass er Muslim ist und weiß, dass es einen Unterschied zwischen einem Muslim und einem Nichtmuslim gibt.

Was ist das Mindestmaß?

Das Mindestmaß ist, dass man schaut und verfolgt, was lernt denn mein Kind in der Schule, was liest es denn. Da sprechen wir natürlich weniger von Mathematik oder Physik, sondern vielleicht mehr über den Ethik oder Religionsunterricht, oder auch andere Angelegenheiten, die den Charakter unseres Muslimseins zerstören können. Und wenn es nicht zerstört wird, dann wird es zumindest beeinträchtigt. Im Biologieunterricht sind beispielsweise Dinge verankert, die im direkten Widerspruch zu unserem Glauben stehen, wie der Darwinismus. Es gibt bis heute Menschen die daran glauben, dass sich der Mensch über Millionen von Jahren von einem Tier zu dem entwickelt hat, was er heutzutage ist. Und das steht in einem klaren Widerspruch zu unserem Glauben an unseren Herrn Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er).

Die Umsetzung

Wir können ja nicht sagen, dass wir die Kinder nicht mehr in die Schule schicken. Das Mindeste wie man damit umgeht ist, dass man die Sache verfolgt und schaut, was die Kinder da lesen. In der Regel wird ja ein Lehrplan durchgegangen und man kann sich die Schulbücher schon vorher anschauen und durchlesen und sich ein Bild machen. So ist es möglich, das eigene Kind schon vorher zu impfen gegen fehlgeleitete Weltansichten bzw. falsche Behauptungen. Der Darwinismus ist dabei nur eines von vielen Beispielen. Dem Kind wird in der Schule gelehrt, dass es bestimmte Freiheiten hat, und dazu gehört auch, dass es ab 18 Jahren plötzlich Sachen machen darf, die vorher Haram waren, sowohl bei Muslimen als auch bei Nichtmuslimen – und plötzlich sind sie Halal geworden. Und man trichtert dem Kind ein, es gehöre zu seiner persönlichen Freiheit und gibt ihm eventuell sogar noch die Information, dass wenn es in dieser Freiheit eingeschränkt wird, es das Recht hätte sich dagegen zu wehren.

Insofern ist das eine Angelegenheit, die für den Werdegang eines Muslims sehr gefährlich sein kann, wenn man sich mit den eigenen Kindern beschäftigt und man vorhat, dass sie nicht verunsichert werden in ihrem Glauben und Bewusstsein als Muslim. Meine lieben Geschwister, natürlich gibt es hierzu noch viel zu sagen und die Menschen / Schüler / Kinder werden ja nicht nur durch Informationen beeinflusst, sondern auch durch ihren bloßen Aufenthalt mit Menschen, die eine andere Einstellung zum Leben haben. Das können sie ja gern haben, doch uns geht es ja darum, dass wir unsere eigene muslimische Persönlichkeit bewahren und von unserem Recht auf Religionsfreiheit profitieren und Gebrauch machen wollen.

Wir müssen realistisch denken

Es reicht nicht aus, dass man sein Kind ein mal pro Woche als “Beruhigungsspritze” in die Moschee schickt, wo sie ihm vielleicht ein paar Suren des Koran lehren. Das ist überhaupt nicht realistisch und auch nicht die höchste Priorität in unserer Religion. Denn wenn man mal anschaut, was die Sahaba raḍyAllāhu 'anhum (möge Allāh mit ihnen zufrieden sein) vor dem Koran zuerst gelernt haben, dann wirst du vielleicht große Augen machen. Entscheidend ist, dass wir aufwachen. Wir möchten diese Fehler, die wir uns selbst und unseren Kindern antun beheben, bevor wir eines Tages aufwachen und es viel zu spät ist. Denn es reicht nicht einfach nur, ein guter Mensch zu sein. Es reicht nicht einfach nur, ein gutes Benehmen zu haben, freundlich mit den Menschen umzugehen. Das erste gute Benehmen, dass du an den Tag legen solltest, ist dein Benehmen gegenüber Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er)! Wenn dieses Benehmen stimmt, dann kommt an zweiter Stelle das Benehmen den Eltern gegenüber, und erst dann das Benehmen gegenüber anderen Menschen.

Wir dürfen uns nicht selbst betrügen!

Ich bin mir sicher, dass diejenigen Eltern, die keine Beziehung zu den Lehrern in der Moschee haben die ihre Kinder unterrichten, auch keine Beziehung haben zu ihren Lehrern in der Schule. Und wenn überhaupt, dann ist der Kontakt zu den Schullehrern stärker als zu den Moscheelehrern, wobei natürlich beides wichtig und erwünscht ist. Meine lieben Geschwister, wenn jemand seine Kinder in die Moscheeschule schickt und die Kinder überhaupt keine Fortschritte machen und die Eltern das gar nicht bemerken; was bedeutet es denn anderes, als dass es keine Betreuung zuhause gibt seitens der Eltern, die sich auch wirklich dafür interessieren, dass ihr Kind vorankommt? Es wird sich niemand für dein Kind so sehr interessieren wie du selbst. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass sich irgendwelche fremden Leute mehr um dein Kind kümmern werden als du selbst.

Eine Methode, die jeder anwenden sollte

Ich empfehle dringend, dass man zuhause zwei Sitzungen einberuft, und das sollte täglich sein:

  1. In der ersten Sitzung wird verfolgt, was das Kind in der Schule und in der Moscheeschule lernt. Man hilft dem Kind eventuell bei den Hausaufgaben und schaut, welche Sachen für uns als Muslime problematisch sein könnten und dass man dementsprechend eingreift. Dies indem man z.B. mit dem Lehrer spricht, und es gibt viele einsichtige Menschen.
  2. In der zweiten Sitzung bringt man dem Kind guten Anstand und Iman bei. Dem Kind soll der Glaube gelehrt werden! Damit ist nicht gemeint, “Ich glaube an Allah.” und dann hat sich die Sache erledigt. Nein! Man lehrt ihm, was es bedeutet, an Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) zu glauben, man gibt dem Kind Beispiele von Menschen, die diesen Glauben verinnerlicht haben, wie sich das in der Realität geäußert hat bei Menschen, die an Ihn glauben. Du brauchst ihm nicht zuhause das Koranlesen beibringen! Das hat nicht die höchste Priorität! Der Prophet ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) hat gelebt und starb, ohne dass er Koran lesen konnte! Wie wir wissen, war er ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) des Lesens und Schreibens unkundig, und auch viele Sahaba raḍyAllāhu 'anhum (möge Allāh mit ihnen zufrieden sein) konnten den Koran nicht auswendig. Sie lernten als Kinder erst zu glauben, noch bevor sie den Koran gelernt haben. Erst später lernten sie ihn, wodurch sich ihr Glaube vermehrt hat. Das ist die Reihenfolge, in der wir auch vorzugehen haben.

Ein letzter Hinweis bzgl. Islamunterricht

Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass wir uns nicht betrügen lassen. In manchen öffentlichen Schulen wird heutzutage der Islamunterricht angeboten. Und dieses Fach hat seine Vor- und Nachteile, wie bei allen Dingen im Leben. Doch wir sollten wissen, dass die muslimische Religion in Deutschland bis heute nicht anerkannt ist. Und deshalb haben die Muslime auch keinen Anspruch darauf zu bestimmen, was in den Lehrplänen geschieht! Und deswegen haben die Muslime auch keinen Anspruch darauf, hier in Deutschland zu sagen, wir möchten einen Lehrer sunnitischen Glaubens haben, der unseren Kindern das beibringt, woran wir glauben. Das gibt es nicht! Und deshalb müssen wir umso mehr darauf achten! Es kann nämlich sein, dass die Kinder von Nichtmuslimen unterrichtet werden, wie einem Ahmadiyya-Anhänger beispielsweise… Weil diese Gruppen von Menschen eher anerkannt werden, als die große breite Masse der Ahlus Sunnah wal Jama`ah. Gerade hier dürfen wir uns nicht reinlegen lassen und sollten aufpassen, was unsere Kinder lernen und gegebenenfalls auch unsere Meinung sagen. Denn auch wir haben Rechte, die wir einfordern können. So sollten wir auch mal mit dem Lehrer sprechen, mit dem Direktor sprechen und sich nicht immer alles gefallen lassen, denn viele Sachen haben in der Vergangenheit auch schon Wirkung gezeigt.

Möge Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) uns Erfolg verleihen und uns dabei verhelfen, unseren Verantwortungen gerecht zu werden.

Audioversion von Sheikh Neil bin Radhan raḥimahullāh (möge Allāh ihm gnädig sein)