Das Berechnen des Beginns von Ramadan

Wann beginnt das Fasten? Das Berechnen des Beginns von Ramadan sorgt jedes Jahr erneut für Unruhen unter den Muslimen. Die Menschen seit der Zeit des Propheten ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) bis vor Kurzem, egal welcher Rechtsschule sie angehörten – egal ob sie Hanafiten, Malikiten, Schafiiten, Hanbaliten, Ahlu al-Hadith waren: Sie haben immer gefastet, sobald sie den Neumond gesehen haben, mit eigenen Augen. Oder sobald der Monat Schaaban 30 Tage vollendet war. Das heißt sie haben gefastet, entweder wenn sie den Neumond gesehen haben nach 29 Tagen des Schaaban, oder sobald der Monat Schaaban bereits 30 Tage hatte. Denn es ist nicht möglich dass ein Monat 31 Tage im Mondkalender hat.

Ein klarer Hadith des Propheten ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm)

Warum haben die Menschen das gemacht? Weil der Prophet ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) dazu klare Aussagen getroffen hat. Er sagte:

“Wenn ihr den Neumond seht, dann fastet! Und wenn ihr ihn wieder seht, dann brecht euer Fasten. Und wenn die Sichtung nicht möglich ist, so schätzt den Monat Schaaban auf 30 Tage.”

Sahih Muslim, Nr. 1808

Das heißt, er ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) hat uns klar gemacht, was wir machen, wenn wir ihn sehen. Ebenso hat er uns klar gemacht, was wir machen, wenn wir ihn nicht sehen! Warum? Weil diese Shari’a, dieses Gesetz, nicht nur für eine bestimmte Gruppe von Menschen herabgesandt wurde, die irgendwelche Berechnungen machen können, sondern für alle Menschen zu allen Zeiten.

Ebenso sagte der Gesandte Allahs ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm):

“Fastet nicht, bis ihr den Neumond seht, und brecht euer Fasten nicht, bevor ihr ihn (wieder) seht.”

Sahih Muslim, Nr. 1795

Beide Hadithe sind authentisch bei Bukhari und Muslim überliefert, und sie sind eindeutig und klar verständlich für jeden Menschen, der die Sprache versteht.

Die Widersetzung gegenüber dem Propheten ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm)

Leider ist in jüngster Zeit eine irregeleitete Gruppe aufgetaucht, die in der Religion Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) etwas Neues erfunden hat, was nicht zur Religion Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) gehört. Und sie sagen mit ihrer Körpersprache, bzw. mit ihren Taten (natürlich sprechen sie das nicht mit ihren Zungen aus): “Oh Gesandter Allahs, du sagtest: ‘Fastet, wenn ihr den Neumond gesehen habt!’, aber wir werden uns dir widersetzen. Und wir werden fasten, auch wenn wir den Neumond nicht gesehen haben.” Und sie sagen: “Oh Gesandter Allahs, du hast gesagt: “Fastet nicht, bis ihr den Neumond gesehen habt!’, aber wir werden fasten, selbst wenn wir den Neumond nicht gesehen haben. Dies, weil wir den Berechnungen und unseren eigenen Neigungen gegenüber gehorsam sind, weil wir behaupten, dass wir dadurch die Muslime vereinen.”

Subhanallah. Als hätte der Prophet Muhammad ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) vor ihnen gewarnt. Egal liebe Geschwister, egal wie sie aussehen, egal welche Kleidung sie tragen, egal wie groß ihre Turbane und ihre Bärte sind, egal wie schön sie ihre Worte auch ausschmücken mögen. Manchmal tun sie das indem sie sagen: “Wir wollen die Muslime vereinen.” Und subhanallah, als ob die islamische Ummah in dem Zustand, in dem sie sich jetzt gerade befindet, nichts anderes braucht, als dass wir am gleichen Tag beginnen zu fasten, und am gleichen Tag damit aufhören zu fasten. Als wäre nichts anderes an Problemen übrig geblieben, als dass wir gemeinsam beginnen und aufhören zu fasten.

Der Prophet ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm), derjenige, der als letzter Prophet entsandt worden ist, hat folgende Worte gesprochen, als wollte er uns vor diesen Menschen warnen:

“Wir sind eine Gemeinschaft, die des Lesens und des Schreibens unkundig ist. Wir schreiben nicht auf und wir berechnen auch nicht.”

überliefert bei Bukhari und Muslim

Das Berechnen vom Beginn vom Monat Ramadan hat keine Grundlage

Die Texte sind klar: Wir berechnen nicht den Monat! Er sagte ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm), dass der Monat manchmal 29 Tage und manchmal 30 Tage hat. Dieser Hadith befindet sich ebenfalls bei Bukhari und Muslim, klar und deutlich. Ich weiß nicht: Haben diese Leute, die berechnen, diese Hadithe nicht gesehen, obwohl er sich bei Bukhari und Muslim befindet? Oder haben sie diesen Hadith gelesen und haben sich ihm widersetzt? Dann ist die Katastrophe noch viel größer. Und sie haben Einbildungen, keine wirklichen Beweise. Manchmal behaupten sie, dass es zu den Zielen der Shari’ah gehöre, dass wir die Muslime vereinen, und deswegen tun wir das. Und manchmal sagen sie, dass die heutigen Wissenschaften den damaligen Menschen nicht zugänglich waren. Und deswegen handeln wir danach, auch wenn die damaligen Menschen damals nicht danach gehandelt haben.

Was die Vereinigung der Ummah angeht: Was bedeutet es, dass wir uns vereinigen? Was bedeutet es, dass wir uns vereinigen, während wir uns dem Gesandten Allahs ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) widersetzen? Was ist das für eine verfluchte Vereinigung, wenn wir uns vereinigen gegenüber dem Propheten ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm)? Das ist die eine Sache.

Die andere Sache ist: Die modernen Wissenschaften, liebe Geschwister, sind ein Mittel zum Zweck. Natürlich sofern uns die Religion dieses Mittel gesetzlich erlaubt hat. Es ist richtig, dass es den Menschen damals nicht zur Verfügung stand, diese genauen Berechnungen. Aber ebenfalls steht es den meisten Menschen heutzutage ebenfalls nicht zur Verfügung. Es steht nur manchen Wissenschaftlern, die sich damit beschäftigen, zur Verfügung – und das ist nicht die Religion Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er), die er für alle Menschen und für alle Zeiten herabgesandt hat.

Zusammenfassung ihrer “Argumente”

Die Zusammenfassung ihrer gesamten Argumente, der Argumente dieser fehlgeleiteten Gruppe ist, dass sie sich dem Gesandten Allahs ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) widersetzen. Und Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) sagte:

So mögen sich diejenigen, die sich seinem Befehl widersetzen, (davor) hüten, dass sie nicht Drangsal befalle oder eine schmerzliche Strafe treffe.

[24:63]

Deswegen darf man sich nicht auf diese astronomischen Berechnungen berufen. Egal ob es darum geht, eine Zeugenaussage zu verwerfen, oder ob es darum geht, den Anfang des Monats zu bestimmen. Das heißt, selbst wenn sie sagen, man kann den Neumond nicht sehen, aber eine bzw. zwei redliche muslimische Personen haben den Neumond gesehen, dann handelt man danach, Selbst wenn die Wissenschaftler etwas anderes sagen. Und umgekehrt genauso: Wenn sie (die Wissenschaftler) sagen, dass man den Neumond sehen kann, aber man kann ihn nicht sehen, dann handeln wir nicht danach und wir werden nicht fasten, bis wir den Neumond gesehen haben oder die 30 Tage des Schaaban vollendet haben.

Aber zur Feststellung der Gebetszeiten benutzen wir doch auch Berechnungen?

Dies ist ein bekannter Einwand. Und dieser Einwand rührt daher, dass man sich nicht wirklich intensiv mit den Textbeweisen beschäftigt. Denn wer die religiösen Texte studiert, wird keinen Widerspruch finden. Wenn wir nämlich auf der einen Seite sagen, der Prophet ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) hat gesagt, wir sollen uns beim Anfang und Ende eines Mondmonats auf die Sichtung berufen, und auf der anderen Seite machen wir etwas anderes, dann wäre das ein Widerspruch. Aber Tatsache ist: Die Textbeweise widerspechen sich nicht. Auch die Gelehrten widersprechen sich in diesem Fall nicht, aus einem ganz einfachen Grund: Der Prophet ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) hat den religiösen Beginn eines Mondmonats von der Sichtung abhängig gemacht. Im Gegensatz dazu hat er das bei den Gebetszeiten nicht von der Sichtung abhängig gemacht.

Ich gebe ein Beispiel dafür: In einem authentischen Hadith sagte der Prophet ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm), dass die Maghrib-Zeit dann beginnt, sobald die Sonne untergegangen ist. Jetzt verinnerlichen wir diese Aussage. Er ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) sagte nicht, dass die Maghrib-Zeit beginnt, wenn ihr gesehen habt, dass die Sonne untergegangen ist. Sondern er hat gesagt, die Maghrib-Zeit beginnt, wenn die Sonne untergegangen ist. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass die Aussagen des Propheten ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) nicht die Aussagen irgendeines Menschen sind. Seine Worte sind Eingebungen Allahs subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er)! Insofern, wenn unser Prophet ṣallallāhu 'alayhi wa sallam (Segen und Friede Allāhs sei auf ihm) etwas gesagt hätte, was wir anders zu verstehen hätten, oder was Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) nicht so gehabt haben wollte, dann hätte Er subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) seinen Propheten darauf hingewiesen! Aber hier sagt er eindeutig, “Wenn die Sonne untergegangen ist”, und im anderen Hadith sagt er “Wenn wir die Sichel gesehen haben”. Und deshalb machen wir auch den Unterschied zwischen diesen beiden Angelegenheiten.

Wenn wir also Gebetskalender haben, die korrekt berechnet wurden, dann dürfen wir uns auf sie verlassen. Und Allah subḥānahu wa ta'āla (verherrlicht und erhaben sei Er) weiß es am Besten.

Abschrift aus den folgenden Aufnahmen mit Shaikh Neil bin Radhan raḥimahullāh (möge Allāh ihm gnädig sein):